Vom 30. September bis zum 16. Oktober 2026 verwandelte sich die Nordseeinsel Baltrum erneut in ein temporäres, interdisziplinäres Kreativdorf: Mit „Coming of Age 2026“ (#CoA26) feierte ein ganz besonderes Experiment im ROOTS & ROUTES Universum Premiere.
Zum ersten Mal in der Geschichte von ROOTS & ROUTES Cologne e. V. finden in diesem Jahr gleich zwei Baltrum-Begegnungen statt. Doch „Coming of Age“ war nicht nur deshalb ein Novum: Als kombiniertes Alumni-Projekt und europäische „Testing Zone“ im Rahmen der ROOTS & ROUTES Peer Coach Academy 2.0 (RRPCA 2.0) wurde die künstlerische Arbeit vor Ort erstmals komplett von einem zehnköpfigen Team internationaler Peer-Coaches-in-Training geleitet – flankiert von Jimi, der die Gruppe jeden Morgen mit seinen inspirierenden Warm-ups und der zentralen Frage „Who do you want to be as a person?“ in den Tag begleitete, und dem pädagogischen RRCGN-Team.
Ein künstlerisches Dorf fernab vom Großstadtlärm
Zwei Wochen lang kamen rund 32 junge Künstler*innen aus Deutschland, Italien, Frankreich, Griechenland, der Türkei und Rumänien zusammen, die bereits in früheren Baltrum- oder RRXP-Projekten erste ROOTS & ROUTES-Luft geschnuppert hatten. Zwischen rauer Nordseenatur, starkem Inselwind und völliger Autofreiheit entstand fernab des Alltagsstresses ein intensiver Rückzugsort, in dem an jeder Ecke Kunst passierte: Während im Haus Storyboards gezeichnet, Kostüme geschneidert und Kurzfilme geschnitten wurden, klangen draußen im Wind Harfenklänge, Gesang und neue Songideen.
Das Thema „Coming of Age“ – Älterwerden, der Umgang mit Zeit, Identität und persönlichen Wendepunkten – zog sich dabei wie ein roter Faden durch die Prozesse. Für viele Teilnehmende war die Rückkehr auf die Insel eine tiefgehende Reise zu den eigenen künstlerischen Wurzeln.
Gerade der offene Peer-to-Peer-Ansatz ermöglichte es den Künstler*innen, gewohnte Pfade zu verlassen und an einem einzigen Tag unterschiedlichste Disziplinen von Tanz über Musikproduktion bis hin zu visuellen Medien, Lichtgestaltung und Szenografie auszuprobieren:
„Normalerweise mache ich fast ausschließlich Musik. Durch die Peer-Workshops auf Baltrum habe ich dieses Mal unglaublich viel im Medienbereich, mit Fotografie, Film und Poesie experimentiert. Zu sehen, dass es nicht nur den einen Weg gibt, Kunst zu schaffen, bringt dich dazu, deine Komfortzone zu verlassen.“
— Elena Sciandrone (Musikerin aus Deutschland)
„Auf der Insel lebt man wie in einem kleinen, friedlichen Dorf, in dem man den Rest der Welt komplett ausblenden kann. Für unser Musikvideo habe ich ein Kostüm für eine französische Teilnehmerin entworfen, in dem sie sich so wohlgefühlt hat, dass sie es den ganzen Tag getragen hat. Dieser Moment hat mir noch einmal gezeigt, worum es beim Kostümdesign wirklich geht.“
— Zoe Kolla (Kostümdesignerin & Szenografin aus Athen, Griechenland)
Für die zehn internationalen Peer-Coaches bot die Testing Zone auf Baltrum die Chance, das in den RRPCA 2.0-Seminaren (wie in Salzburg oder Budapest) Gelernte direkt in der Praxis zu erproben – nicht von oben herab als klassische Lehrkräfte, sondern im gleichberechtigten Austausch mit der Gruppe:
„Bei unserem Peer-Coach-Team geht es nicht darum, besser als andere zu sein oder den Teilnehmenden vorzuschreiben, was sie tun sollen – es geht darum, Wissen und Erfahrungen zu teilen. Zu erleben, wie unsere verschiedenen künstlerischen Disziplinen aus ganz Europa hier ineinandergreifen, hat mir enormes Selbstvertrauen gegeben, das ich jetzt mit nach Florenz zu meinen eigenen Tanzschülerinnen nehme.“*
— Sofia Maria Sole Bacconi (Tänzerin & Peer-Coach aus Florenz, Italien / CCC)
„Als ich für Coming of Age nach Baltrum zurückkehrte, war es genau neun Jahre her, dass ich dieses Haus zum ersten Mal betreten hatte. Damals habe ich mich getraut, in die Tanzgruppe zu gehen – ein Wendepunkt für mein Leben als Regisseur und Performer. Als Peer-Coach zurückzukommen war mein Weg, diesen geschützten Raum weiterzugeben. Für mich verbindet Peer-Coaching Austausch und gegenseitige Fürsorge: Heute kümmere ich mich um dich, morgen kümmerst du dich um mich.“
— Balázs Molnár (Theaterregisseur, Choreograf & Peer-Coach aus Rumänien)
Seinen krönenden Abschluss fand das Projekt nach der Inselzeit bei den gemeinsamen Präsentationen der entstandenen Kurzfilme, Musikvideos und Performances im ROOTS & ROUTES Space in Köln.
Die Ergebnisse werden bis Ende des Jahres auf unserem YouTube-Account veröffentlicht, Einblicke gibt es auf der Projektseite und im Laufe der Zeit auch bei Instagram.






